Ich bin stolz! Auf meinen Sohn Nanuk. Er hat seinen Lehrabschluss gerade erfolgreich geschafft. Dieser Abschluss muss gefeiert werden! Und zwar mit einer gemeinsamen Bergtour über den Grassen-Gletscher.
Weiterlesen: Gletschertour.
Die Berge sind Nanuk vertraut. Von Klein auf haben er und seine 3 Brüder mich auf Touren in die Bergwelt begleitet. Je älter die 4 wurden, umso seltener wurden die Möglichkeiten für gemeinsame Unternehmungen. Von daher freue ich mich ganz besonders auf dieses gemeinsame Erlebnis.
Tag Eins widmen wir dem Aufstieg von einem kleinen Abzweiger an der Passstrasse über den Sustenpass, hinauf zu der auf 2257m ü. M. liegenden SAC Sustlihüttli. Unserem Übernachtungsort. Begleitet werden wir von zwei Bergführern und einer weiteren Teilnehmerin. Unsere Seilschaft für den nächsten Tag besteht somit aus 5 Personen.
Die Hütte ist voll belegt. Eine umfangreiche Gruppe von jungen britischen Bergsteigern füllt die kleinen Aufenthaltsräume mit Lärm und guter Laune. Wir übernachten im Massenschlag. Ich rechne mit wenig Schlaf ;-). Zu Recht, wie sich später dann herausstellt.
Kaltstart.

5 Uhr morgens. Der Wind bläst uns eiskalt um die Ohren, noch sind die Berggipfel in Wolken gehüllt. Schweigend kontrollieren wir das Material, schultern die Rucksäcke und ziehen los. Ich freu mich!
Die Stimmung so früh am Morgen ist besonders. Noch ist alles still. Unsere Schritte sind das einzig wahrnehmbare Geräusch, verbunden mit dem Wind, der die Wolken in stets neue Formationen schiebt. Wir sind wie winzige Krabbeltiere in der Gegenwart dieser mächtigen Bergwelt. Unten im Tal flackern die Lichter.

Es wird hell, wir knipsen die Stirnlampen aus und so langsam wird uns warm.
Immer mal wieder werfe ich Nanuk einen Blick zu. Er ist fit und sportlich. Trotzdem…ich fühle mich für ihn verantwortlich. Immerhin war das hier meine Idee. In seiner ruhigen, ausgeglichenen Art lächelt er mich an. Ich bin beruhigt.
Überquerung.

Bis hierhin waren wir auf steinigem Untergrund unterwegs. Ab jetzt wird’s eisig. Wir montieren die Steigeisen. Die Überquerung des Grassen-Gletscher liegt vor uns.
Bruno übernimmt die Führung der Seilschaft, Hansueli die Sicherung am Ende. Mit uns Dreien in der Mitte. Hier, mitten auf dem Gletscher zu stehen, ist faszinierend. Er ist verletzlich, der Gletscher. Welche Tragweite das hat, erfahren wir zwar aus den Medien. Immer und immer wieder.
Ihm hier auf diese Art und Weise derart nah zu sein, intensiviert das Bewusstsein über unsere Verantwortung im Umgang mit der Umwelt. Mit der Natur.

Der Gletscher gibt den Blick frei auf viele kleine Steine die vom Eis umschlossen sind. Und die zu einem unbestimmten Zeitpunkt wieder von ihm frei gegeben werden. Am oberen Ende kraxeln wir über einen Felsen hoch und werfen einen Blick zurück.
Spuren.
Unsere Spuren die wir hinterlassen haben, sind sichtbar. Im kleineren als auch im grösseren Ausmass.

Schwindelfreiheit gehört nicht zu meinen Attributen. Leider. Aber ich möchte mich davon nicht blockieren lassen. Sondern immer wieder die Überwindung suchen. Das Thema Überwindung begegnet uns in fast jedem Lebensbereich. Es ist erstaunlich, wie viel wir dabei auf der mentalen Ebene bewegen können, wenn wir die Herausforderungen annehmen. In Absprache mit uns selbst.
Oben.

Wir haben’s geschafft!! Bravo Nanuk! Ich bin so stolz auf Dich! Erhalte Dir Deine bewundernswerte Zielstrebigkeit in Deiner ruhigen, besonnenen Art. Deinen Durchhaltewillen etwas zu Ende zu bringen, auch wenn es mal unbequem ist und wenn es dazu Einsatz braucht. Die Aussicht von oben und dieses wunderbare Gefühl der kraftvollen inneren Dankbarkeit wenn Du es geschafft hast, sind der Lohn. Nicht nur auf einer Bergtour.

Der Grassen. 2946 m ü. M.
Danke Bruno und Hansueli für euer wertvolles, herzliches Leading!!

Hinterlasse einen Kommentar