Regentage.

Zum ersten Mal seitdem wir unterwegs sind, regnet es. Wir wurden bis hierhin wirklich verwöhnt angesichts des meist sonnigen, trockenen Wetters.

Nasse Hunde.

Ich mag jedes Wetter. Doch, wir haben uns hinsichtlich unserer ziemlich beschränkten Platzmöglichkeit im Zusammenleben mit drei 3 mittelgrossen Hunden durchaus Gedanken gemacht.

Im trockenen Zustand ist das problemlos. Aber wie sieht das aus, wenn alle drei vom Regen völlig durchnässt sind? Geht das? Ja, es geht! Die drei sind nach Spaziergängen schnell trocken gerubbelt und weiter gehts.

Die Beschaffenheit der sandigen Böden hier ist anders als zuhause. Der Regen versickert schnell, es bildet sich kaum Matsch. Taia würde jede noch so winzige Suhle zuverlässig finden. Auf sie ist Verlass 😉

Wir sind gespannt wie die Verhältnisse dann in England und im Schottischen Hochland sind.

Hunde sind eine riesengrosse Bereicherung für mich im Leben. Ich könnte mir ein Dasein ohne Hund an der Seite schlichtweg nicht vorstellen.

Von daher bin ich auch bereit zu akzeptieren, dass die Dinge in gewissen Situationen vielleicht etwas komplizierter resp. herausfordernder sein können, als ohne Hund. Und Rolf ist es zum Glück auch. Er trägt die Umstände mit viel Geduld mit.

„Hunde sind eigentlich mit Fell getarnte und Liebe gefüllte, süchtig machende, schwanzwedelnde Serotoninkugeln auf 4 Pfoten.“

Warmduscher.

Camaret-sur-Mer ist ein kleines, freundliches Hafenstädtchen. Hier sind wir gelandet. Und tatsächlich, wir finden einen sympathischen, praktisch leeren, geöffneten Campingplatz.

Und zu unserer besonderen Freude: Es gibt Warmwasser-Duschen!! Yessss!!

Welch ein Genuss! Welch ein Luxus! Spontan beschliessen wir, 2 Tage hier zu bleiben.

Im Ort nutzen wir die Möglichkeit, in einer öffentlichen Laverie um unsere Kleider zu waschen. In einer Bisquiterie werden feine Kekse degustiert und die ersten versprochenen kulinarischen Mitbringsel für Freunde, Familie und meine lieben Arbeitskolleginnen zuhause eingekauft.

Frischwasser wird aufgefüllt und; ein besonders wichtiges Vorhaben umgesetzt; ein Paket wird versandfertig gemacht und zur Post gebracht..

Unser Sohn Nanuk leistet gerade seinen Militärdienst. Er ist der Empfänger des Pakets.

Wenn wir als Eltern schon auf Reisen sind und ihm leider keine regelmässigen Fresspäckchen zustellen können, dann wenigstens ein besonderes von hier, mit Bretonischen Spezialitäten.

Herzdrücker an Dich Nanuk.

Fortbewegung ist eine Definitionsfrage.

Ich spüre täglich eine tiefe innere Dankbarkeit für diese gemeinsame Reise.

Für jeden einzelnen Tag, für jedes winzige Abenteuer.

Das Schöne an der Tatsache, sich seit so vielen Jahren zu kennen, ist unter anderem der Vorteil, um die gegenseitigen Stärken und Schwächen zu wissen. Und mit den jeweiligen Unzulänglichkeiten des Partners vertraut zu sein.

Einige davon können mit Humor aufgefangen, über andere kann hinweg gesehen werden. In jedem Fall macht es das enge Zusammenleben einfacher.

Ein Punkt über den wir uns seit Jahren immer mal wieder uneinig sind und bei dem wir im Vorfeld wussten, er wird bei dieser Reise zu einer Herausforderung, ist das Thema Bewegung.

Rolf und ich sind mit einem grundlegend unterschiedlichen Bewegungsbedürfnis ausgestattet. Zuhause kann jeder dem Seinigen nachkommen. Wir teilen die Freude am Wandern. Doch die Schwerpunkte sind anders gesetzt; Rolf setzt sich mit Vorliebe auf sein Motorrad oder widmet sich der Technik.

Ich finde meine Freude im Zurücklegen von Höhenmetern, beim Trailrunning, schwimmen, radeln oder anderweitig physischen Betätigungen. Verbunden mit dem engen Kontakt zur Natur, ist das meine Quelle der Lebensenergie.

Wenn ich einen Berg sehe, einen Felsvorsprung, eine weite Fläche, dann spüre ich dieses Ziehen. Ich möchte loslaufen. Rolf spürt diese Anziehungskraft hingegen wenn er unterwegs ein Restaurant mit leckerer Speisekarte sieht 😉

Hier in diesen 2 Monaten, müssen wir einen gemeinsamen Nenner finden.

Auf unsere jetzige Situation bezogen bedeutet das, dass mein Gatte gerne mal 5 Stunden oder mehr am Stück fahren würde, während dem ich nach 2 Stunden zu zappeln anfange. So sehr ich ihn verstehe, weil wir anders ja nicht vorwärts kommen, ich muss raus. Mich bewegen. Und Bewegung ist bei uns dann so eine Definitionsfrage. Für Rolf bedeutet das: Einmal um den Busch. Und ich meine: Einmal um oder über den Berg.

Unsere Kinder machen heute noch Sprüche über solche Diskussionen, auf früheren Fahrten in die Ferien waren sie Zeugen davon. Rolf hatte ihre Rückendeckung. Ich diejenige der Hunde 😉

Schon immer versuchen wir, diesbezüglich einen Kompromiss zu finden. So, dass jeder zu seinen Bedürfnissen kommt. Meistens finden wir ihn. Geben uns den Raum, den eigenen Bedürfnissen nach zu gehen. Manchmal jedoch, prallen wir da zusammen.

Wir werden uns immer wieder finden auf dieser Reise. Kompromisse schliessen und auch einmal nachgeben. Auch wenn Rolf in diesem Moment noch nicht weiss, welche Touren ich in Schottland für uns geplant habe ;-))

2 Antworten zu „Regentage.“

  1. Herzerfrischend, die Beschreibung. Du warst schon in Deiner Kindheit und Jugend nicht anders, liebe Maite. Aber da waren Deine Füsse noch klein, und Paps und ich konnten Dir noch folgen. Heute würden wir einknicken!!
    Ja, schliesst Kompromisse!! Ihr habt noch viel zu entdecken!
    Rolf, schickst Du mir das Foto der besten Speisekarte in Schottland??

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    1. Natürlich Lore, ich werde mein Bestens geben. 😉

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