Es ist unmöglich dieses Haus mit leeren Taschen zu verlassen.
Das Maison George Arnicol in Roscoff. Das Haus der „Chocolat“ und der Bretonischen Spezialitäten.
Es hungrig und mit leerem Bauch zu betreten, hat entsprechende Konsequenzen.

Ein Ort der süssen Versuchung.
Mich faszinieren vor allem die Farben, die Düfte und die Auslegung der Leckereien. Ich nutze die Einkehr auch hier für versprochene Mitbringsel und für einen Vorrat an dunkler Schokolade. Bei Rolf verschwindet diese lieber gleich im Bauch.
Zum letzten Mal waren wir kurz nach dem ersten resp. vor dem zweiten Lockdown während der Covid-Pandemie hier. Der kleine Ort, der heute wieder gewohnt belebt ist, war damals völlig ausgestorben.
Wir sind froh zu sehen, dass auch hier einige Läden und Restaurants diese Durststrecke überlebt haben und die Leute ihre Existenz fortsetzen können.
Wiedersehen!!!
Endlich! Wie haben wir uns darauf gefreut, die beiden auf dieser Reise wieder zu sehen! Michael und Joyce.
Unsere Freunde aus England, die in der Bretagne leben. Wo wir sie vor etwa 12 Jahren auch kennen lernten.
Ich war damals gerade dabei, am Strand vor unserem Ferienhaus über die Klippen zu klettern und nach bunten Steinen und Muscheln zu suchen. Bereits von Weitem sah ich Joyce dem Strand entlang schlendernd, auf mich zukommen. Sie wirkte auf mich wie eine Elfe mit ihren langen hellblonden Haaren, der feinen Gestalt, der hellen Haut und ihren blauen Augen. Was für eine schöne Erscheinung sie war.
Wir kamen ins Gespräch und ihr Mann Michael gesellte sich dazu. Kurzum wurden wir am darauffolgenden Abend bei Ihnen zum Essen eingeladen. Seither besuchen wir sie wann immer möglich, meist im Abstand von 1-2 Jahren. Zwei ganz besondere Menschen sind die beiden.

Beim allerersten Besuch in ihrem Zuhause war ich – und bin es noch immer – völlig fasziniert. Einerseits von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft die sie uns entgegen brachten und andererseits von den Räumlichkeiten, in welchen sie wohnen. Michael und Joyce hatten sich vor Jahren in eine uralte Mühle verliebt. Ein altes, dickes Gemäuer welches sie nach und nach selbst renoviert haben. Und es noch immer tun. Und wohl auch niemals damit fertig sein werden. Es ist ein Lebenswerk.
In einer der alten Räumlichkeiten findet sich eine Bibliothek. Ein erstaunlicher Fundus an Büchern hat sich hier im Laufe der Jahre eingenistet.
Die beiden sind breitgefächert am Weltgeschehen interessiert. Michael war früher beruflich als Tontechniker weltweit unterwegs. Er begleitete in dieser Funktion diverse Bands im Background. Unter anderem Pink Floyd.
Musik war und ist seine Welt. „Sein Gehör ist dadurch derart sensibilisiert, dass er noch heute jede kleine Maus in einer Kirche aus 3km Entfernung husten hört“ lacht Joyce.
Volle Bäuche.
Joyce ist ein kreatives Multitalent. Die Herzlichkeit in Person. Ich liebe diese einmalige Küche von Joyce, in welcher jeder kleinste Winkel belegt ist und dennoch – oder gerade deswegen – eine aussergewöhnliche Gemütlichkeit ausstrahlt.
Joyce belebt diesen Ort mit ihrer unbeschreiblich positiven Persönlichkeit. Wie sie es jeweils schafft, mit dieser in die Jahre gekommenen und einfachen Küchenausstattung ein solches Essen für uns auf den Tisch zu zaubern, bewundere ich jedes Mal von Neuem. Der Tisch ist jeweils überladen mit Schüsseln voller Köstlichkeiten die ich so sehr liebe; eingelegte Pilze, Artischockenherzen mit Knoblauch , Spinatquiche mit Pinienkernen, Hummus, frisches Brot, überbackene Paprika, diverse Dips, etc.etc. Und zum Nachtisch wird uns der weltbeste Mandelkuchen serviert.
Das Angebot würde reichen um die Bäuche von mindestens 10 hungrigen Gästen zu füttern. Wir schaffen es zu viert ;-))

Beim Abschied sind Rolf und ich förmlich aus ihrer Küche gerollt. Aufrecht gehen war uns nach dieser Völlerei nicht mehr möglich.
Auf die Zähne beissen.
Es zieht uns weiter. Wir möchten rüber nach England. Und ganz besonders rauf in die nördliche Spitze von Schottland. Da wir uns im Vorfeld offen lassen wollten, wie lange wir hier in der Bretagne bleiben und wo genau wir die Überquerung von Frankreich nach England oder vielleicht Irland vornehmen möchten, haben wir nichts fix vorgebucht. Das bedeutet, recherchieren.
Einige Fährbetriebe nehmen ihren Dienst erst Ende März auf. Andere erlauben keine Hunde in den Kabinen. Wir möchten diese jedoch nicht für 14 Stunden im Auto im Schiffbauch zurück lassen oder in eine Hundebox versorgen. Von daher dauert die Suche nach einem entsprechenden Fährbetrieb etwas länger.
Eine andere Option wäre die Fahrt durch den Eurotunnel. Wir finden jedoch einen Anbieter der uns und die Hundis mitnimmt. Von Calais nach Dover. Die Fahrt ist auf Mittwoch gebucht. Es liegen noch gute 11 Stunden Fahrzeit vor uns morgen. Das heisst für mich; Zähne zusammen beissen und durchhalten. Nix mit Aussteigen alle 2 Stunden. Da muss ich jetzt durch. Irgendwie.
Mit Schottland als Lockmittel im Fokus, schaffe ich das!

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