On the road again.

Rolf dreht den Zündschlüssel, der Motor unseres Sprinters brummt vertraut. „Ach komm, Du schaffst das!“ ist mein Zuspruch an unser Reisemobil. Und klopfe ihm aufmunternd aufs Armaturenbrett.

Meine Hand umfasst kurz den steinernen weissen Büffel, der am Rückspiegel befestigt ist. Etwas, das zu einem Ritual wurde. Der von Indianern handgefertigte weisse Büffel hat mich bereits auf meiner Reise nach Schweden mit dem Vorgänger dieses Van’s begleitet. Er ist mein spiritueller Reisebegleiter.

Rolf und ich werfen uns gegenseitig einen zuversichtlichen Blick zu und los gehts. Wird schon schief gehen.

Wir lassen Dover hinter uns. Die Grenze zu Schottland im Fokus. Bis wir diese erreichen wird es noch ein paar Tage dauern. Wir wählen jedoch den direkten Weg dahin. Nicht wie erst geplant der Küste entlang. Bei meinem Kartenstudium von Schottland, spüre ich sie wieder; die kleine Flamme des Abenteuers in mir. Sie brennt. Und sie wird grösser. Die Karte zeigt; wenig Zivilisation, wenig Strassen, viel Natur.

Bingo!

Wir haben erst etwa 20 Meilen hinter uns. Gedanklich bin ich abgeschweift. Bis ich Rolf am Steuer „Bingo!“ sagen höre. „Was Bingo?“ frage ich. „Na was meine ich wohl! Bingo ist das Code-Wort. Wofür denkst Du?“ „Sag bloss…nicht im ernst oder?“ „Jep. Unsere alte Freundin die Warnlampe ist wieder da.“ Wir schlucken beide. Nach einem Moment des Schweigens sind wir beide einer Meinung; umdrehen nach Dover kommt nicht infrage. Never ever! Und wenn wir schieben müssen! No way! Also vorwärts.

Wir beraten uns gegenseitig. Lauter schlaue Vorschläge. Wir könnten die Lampe zum Beispiel einfach ignorieren. Rolf schlägt vor das Display mit Panzertape abzukleben. Einfach nicht hinsehen. Warnlampe? Welche Warnlampe? Was für eine konstruktive, lösungsorientierte Idee! Warum sind wir nicht gleich darauf gekommen? Wir müssen beide lachen.

Wir beschliessen, im Moment einfach weiter zu fahren. So lange das Gelände relativ flach ist, läufts gut. Bevor wir in den hügeligen Highlands eintreffen, kümmern wir uns darum.

Irgendwo werden wir einen Mercedes-Spezialisten aufsuchen und den Van noch einmal durch checken lassen. Aber erst einmal, peilen wir ein Einkaufszenter an. Wir haben Hunger.

Unbekannte Tiere.

Auf einer Strecke mit erlaubtem Tempo 110kmh (wir schaffen immerhin 80), fällt mir ein grasendes Tier dicht am Strassenrand auf. Was war dass denn? Es sah aus wie eine Kreuzung aus Reh und Capybara. Mit einer Schulterhöhe von etwa 50cm.

Jedenfalls habe ich so ein Wesen noch nie gesehen. Auf dem Beifahrersitz hab ich Zeit für Google und mache mich schlau. Die Eingabe des Suchbegriffs „Wildtiere in England“ gibt Aufschluss. Das war ein Muntjak!

Bild aus dem Internet

Weiter lese ich darüber:“ Der Chinesische Muntjak ist eine Zwerghirschart, die sich nicht nur in China wohl fühlt. Als der Muntjak vor über hundert Jahren in England ausgesetzt wurde, war er ein Exot…..Im 19 Jahrhundert waren einige der Tiere von China nach England exportiert worden, um dort in Zoos und Tierschauen gezeigt zu werden. Unerwartet stark vermehrten sie sich in der Gefangenschaft….Die explosionsartige Vermehrung auf den britischen Inseln begann 1901, als aus dem Park in Bedfordshire elf Tiere in die Freiheit entlassen wurden. …daraus resultierte eine Invasion.“

In England gelten sie mittlerweile leider als beliebte Jagdtrophäe.

Bild aus dem Internet

Wildes Campen wie wir es in Frankreich gemacht haben, ist hier in England nicht erlaubt. Das heisst, wir müssen offizielle Campgrounds aufsuchen. Die meisten haben erst im April Saisonstart. Die Suche dauert demnach ein Weilchen. Aber wir haben Glück. Im Örtchen Perrott’s Brook finden wir einen super passenden Übernachtungsplatz.

Wir erhalten die Platznummer 103. Eine ruhige, abgelegene Ecke wie uns der Herr anhand des überschaubaren Lageplans zeigt. Ansonsten ist keiner da. Perfekt! Einfach den Weg 100m hoch und wir sind am Ziel. Von blossem Auge gut sichtbar.

Hier läuft das aber anders. Vom Campground-Besitzer höchstpersönlich werden wir zu unserem Platz eskortiert. Ein Pick-Up mit orangem Drehlicht stellt sich in Position. Wir werden dazu aufgefordert, diesem zu folgen. Wir werden eskortiert ;-)) Knappe 100m weiter geradeaus halten wir an. Wir sind da. Der riesige Pickup wendet, das Drehlicht verschwindet. Wir müssen schmunzeln.

In jedem Fall, werden wir hier in dieser ruhigen Gegend gut schlafen.

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