John Muir.
Sie werden zu einer Sucht diese Hügel. Ob es an der Stille liegt, die man dort vorfindet? Oder an der Energie? Der Abgeschiedenheit? Vielleicht einer Kombination davon? In Gesprächen mit Einheimischen spüre ich deren Verbundenheit mit ihren Hills. Sie kennen fast jeden mit Namen. Ich kann sie verstehen.
Wenn man einmal damit angefangen hat, die rundgeformten Berge zu erklimmen, oben steht und sich der Blick in der Rundumfernsicht verliert, dann ist man drin, in dem Sog. Dann zieht es einen weiter, auf den nächsten. Und von dort aus noch einmal weiter. Eine unendliche Geschichte.
Auf die meisten Hills führen kleine Trails hoch. Manche sind nur mit Insider-Tipps zu finden. Links und rechts neben den Trails ist es meist recht sumpfig. Zudem gibt es tiefe Löcher die mit langem, dichtem Sumpfgras überdeckt sind und die so zu Stolperfallen werden. Die vielen Schafe die bis hoch hinauf weiden, können das problemlos meistern. Für uns Zweibeiner ist das Verlassen der Trails jedoch keine so gute Idee.
Abschied.
Allmählich müssen wir den Rückweg antreten. Wir sind bis nach Glasgow hoch gekommen. Nun müssen zurück in Richtung Süden.
Aber – ich möchte da noch ein Mal hin. In das Hinterland. Eintauchen in diese einsame, wilde Landschaft, sie bewundern und mich von ihr verabschieden. Wir ziehen los.
Über Nacht hat es geschneit. Den Anhänger koppeln wir vor der grössten Steigung ab. So sind wir leichter. Wir ziehen die ersten Spuren im Schnee. Der Himmel ist tiefblau, die Sonne scheint und hat Kraft. Der Wind jedoch treibt einen dazu an, sobald man das warme Gehäuse verlassen hat, in Bewegung zu bleiben.
Taia und Chinook freuen sich über den Schnee und albern herum. Sogar Jamie, der 35 Grad Aussentemperatur bevorzugt, wälzt sich wohlig im Schnee. Wir packen uns warm ein, schultern den Rucksack und los gehts.
Taia.

Noch einmal wandern wir auf einem kleinen Trail und verbinden uns mit der Energie dieses Ortes. Für einen Moment setzen wir uns an das Ufer des Loch Bradan und geniessen unser Picknick an der Sonne. Was für ein Geschenk. Wetterverhältnisse wie an diesem Tag, sind hier selten.
Loch Bradan.

Balloch O‘ Dee.
„Eine heisse Dusche wär mir heute sehr willkommen. Was denkst Du?“ Wir sind uns einig. Kein Wildcamping heute, heisse Dusche muss sein. Also Campground suchen. Und dieser hier, überrascht uns im positiven Sinne; nicht nur aufgrund seiner abgelegenen, naturnahen Lage, sondern auch wegen seines aussergewöhnlichen Outfits. „Balloch O’Dee“ nennt sich dieser Ort. Eine kleine Oase in der Gegend von Kirkcowan.

Ein äusserst kreatives Paar ist hier am Werk und stellt den Gästen verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung; es stehen zwei Jurten inkl. Feuerplatz, ein blauer, in Holz eingefasster Wohnwagen, ein kleines, gemütliches Ranch-House und ein romantisches typisch irisches Cottage im Angebot. Eine weitere Unterkunft, ein Blockhaus, ist noch im Entstehungsprozess.
Alleine schon nur die Sanitären Anlagen wie Duschen und Toiletten sind ein Sightseeing wert. In diesen Räumlichkeiten wird Körperhygiene zu einer superlativen Zelebration.

Eine Schar Hühner, einige Hähne und Ponies spazieren frei auf der Anlage herum. Auf der Website wird humorvoll darauf hingewiesen, dass sich schon mal ein Huhn in die Dusche verirren kann. Worüber man sich nicht wundern sollte.
Ein unglaublich romantisch und liebevoll gestalteter Ort zum Wohlfühlen.
In weiter Ferne leuchten im Abendrot die geliebten Berge.
Dass wir hier gelandet sind, ist gar nicht mal so selbstverständlich. Eigentlich wären wir jetzt zurück in England, in Stoke on Trent. Da wo unser Van zur Reparatur angemeldet war. Wir hatten alles soweit dahingehend organisiert und terminiert. Aber wie so oft, kam es anders. Das Ersatzteil für unseren Motor konnte nicht zeitgerecht organisiert werden. Am Telefon teilte mir Jim, der Garagist mit, dass es ihm sehr leid tue, aber er könne die Reparatur nicht durchführen.
Was soll’s. Die Leistung des Motors ist zwar eingeschränkt, aber es ging bis hierhin und es wird auch weiter gehen. Wir sind irgendwie sogar froh, dass uns der Weg zurück durch England somit erspart bleibt.
Ein neuer Plan muss her. Et Voilà, da ist er; wir nehmen die Fähre rüber nach Irland! Wir hätten nicht gedacht, dass wir das vom Zeitplan her noch schaffen. Aber die Tatsache, dass der Termin nun wegfällt, wirft uns diesen Ball wieder zu. Belfast, wir kommen!
Last minute.
Ein windiger Strandspaziergang bei Minusgraden kühlt uns trotz Stirnband und dicken Jacken regelrecht aus. Wir frieren. Die Schotten sind taff. Die spazieren neben uns mit kurzen Hosen durch die Gegend. Ohne mit den Wimpern zu zucken. Ich glaub denen das sofort mit dem Kilt. Die haben das in den Genen. Von Geburt an.
Die Irish Sea ist wild und aufgewühlt. Das kann ja lustig werden morgen auf der Fähre. Mal schauen wer zuerst an der Reling steht; ich oder Rolf ;-))
Im gemütlichen „Alexandras Coffee“ im Hafenstädtchen Stranaer wärmen wir uns mit heissem Kaffee und feinen Süssigkeiten wieder auf. „Haben wir an alles gedacht für die Überfahrt morgen? Komm, wir werfen noch einmal kurz einen Blick auf die E-Mail.“ Noch einmal gehen wir die schriftliche Buchungsbestätigung für die Fähre morgen durch. Wann genau müssen wir einchecken? Haben sie uns und die 3 Hunde alle erfasst? Scheint alles soweit gut. Aber Moment mal, da steht noch was; „Bitte beachten Sie, dass die Entwurmung ihrer Hunde nicht weniger als 24 Stunden und nicht länger als 3 Tage vor der Überfahrt durchgeführt werden muss.“. Das muss im Ausweis belegt werden können. Ansonsten dürfen sie nicht einreisen.
Oh nein…daran haben wir nicht gedacht! Wir haben zwar alle Vorbereitungen getroffen hinsichtlich der Einreise nach Frankreich und dann von Frankreich nach England. Mit der Tierärztin gingen wir das in der Schweiz alles durch. Aber, dass wir damit noch einmal konfrontiert sein würden, das hatten wir nicht auf dem Schirm.
„Welche Uhrzeit haben wir? Es ist Samstag. Ob wir noch eine Praxis finden die geöffnet ist?“. Wir checken das Internet. Es gibt mehrere Praxen hier im Umkreis. Alle haben jedoch bereits geschlossen. Ich versuche es trotzdem.
Ein Band kommt. Mit dem Link zur Notfallnummer. „Soll ich da wirklich anrufen? Das ist ja kein Notfall. Ich möchte die mit unserem Versäumnis nicht stressen“ denke ich laut. „Ein Versuch ist es wert. Ansonsten kommen wir nicht auf die Fähre.“ wirft Rolf ein. Also gut, ich versuchs.
Wir haben Glück! Einmal mehr. Eine nette junge Tierärztin nimmt den Anruf entgegen und ich erkläre ihr unsere Situation. „Kein Problem. Ich fahre gerade zu einem Notfall. Aber wenn ich in etwa abschätzen kann wann ich in der Praxis zurück sein werde, dann ruf ich euch an. Dann könnt ihr mit den Hunden zu mir kommen und wir regeln das.“ Grossartig! Wir sind gerettet!
Zwei Stunden später suchen wir die Praxis auf. Die junge Tierärztin hat gerade einer Kuh-Mama geholfen ihr Kälbchen zur Welt zu bringen, wie wir erfahren. „Und jetzt kommt ihr dran, ihr drei Süssen“ lacht sie. Chinook, Jamie und Taia erhalten die notwendige Entwurmungstablette und wir den wichtigen Eintrag in ihren Ausweisen. Ich bedanke mich bei der netten Dame. „You‘ve saved us!“ „Kein Thema, ich kann mich gut in eure Lage hinein versetzen. Es ist ja tatsächlich etwas kompliziert mit all diesen Vorschriften.“
Der Campwart drückt dann noch die Buchungsbestätigung der Fähre für uns auf Papier aus. Nur auf dem Handy vorgewiesen, ist sie nicht gültig. Das wärs. Ich hoffe, wir haben an alles gedacht. Und der Überfahrt morgen steht nichts mehr im Wege.
Ein Blick auf die bereits im Hafen stehende Fähre, lässt uns zuversichtlich sein. Passt.
Wir melden uns wieder aus Irland!


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