Wir sind da! In Irland! Die Fahrt mit der Fähre von Cairnryan in Schottland bis nach Larne hat gerade mal 2 Stunden gedauert. Wir steigen die Treppen runter zum Dock 2 im Schiffbauch. Der Sprinter wartet schon. Einsteigen und los gehts!
Es wird bald eindunkeln. Wir müssen einen Platz zur Übernachtung finden. Am besten erst einmal raus aus der Stadt. Wir lassen Larne hinter uns und steuern auf Belfast zu. Eine Stadt mit bewegter Geschichte.
Dann lese ich es weiss auf blau: Belfast. Meine Augen erfassen den Schriftzug und in meinem Kopf beginnt eine Melodie zu summen; Belfast Child. Von Simple Minds. Ein Song aus den 80-er Jahren. Ein Lied das wir als Jugendliche rauf und runter hörten, eines das ich sehr mochte aber dessen Textinhalt ich damals nicht hinterfragte. Jetzt um so mehr. Jetzt, in diesem Moment, ist er voll präsent. Ich nehme mein Handy und suche den Song auf dem YouTube-Kanal. Ich verbinde mit Bluetooth, drehe die Lautstärke auf.
Wir schauen uns an, haben beide Gänsehaut.
Nordirland und Südirland. Eine Insel. Von wunderbaren, herzlichen Menschen bewohnt. Menschen, die doch eigentlich alle dasselbe wollen ; Frieden. Sicherheit. Freiheit. Auch in der Ausrichtung ihres Glaubens. Ein Leben im Miteinander. Warum gelingt uns Menschen das nicht?
Auch Irland ist gezeichnet durch furchtbare Bürgerkriege die Jahre andauerten und auch heute noch nicht gänzlich aus dem Weg geräumt sind. In Nordirland fallen uns Britische Flaggen auf die da und dort gehisst sind. Nachdem wir die Grenze zu Südirland überfahren haben, finden wir keine einzige mehr.
Leerläufe.
Es ist schon fast dunkel. Und es regnet in Strömen. Einen Übernachtungsplatz haben wir noch nicht gefunden. In Irland ist Wildcamping verboten. Das heisst, wir müssen einen Campground finden der in dieser Jahreszeit geöffnet hat. Schwierig.
Alle die wir bisher direkt anpeilten oder telefonisch zu erreichen versuchten, öffnen ihre Tore erst im April. Grosse Parkplätze direkt am Strand die sich alternativ dafür eignen würden, sind mit einer Höhenbeschränkung jedoch abgesichert. Damit Leute wie wir eben nicht auf die Idee kommen, ihren Camper da zu parken. Einen Waldparkplatz oder ähnliches wie wir es in Frankreich vorfanden, gibt es hier nicht. Kleine Strässchen oder Einfahrten führen direkt zu Häusern oder Farmen. Grössere Parkplätze ohne Höhenbeschränkung in der Natur sind kaum zu finden.Wir rechnen damit, bis tief in die Nacht hinein fahren zu müssen.
Irgendwann finden wir einen kleinen Parkplatz. Gleich neben der Hauptstrasse, unterhalb eines Reservoirs. Der vordere Teil ist nicht abgesperrt, das wär vielleicht was. Im Dunkeln und bei dem starken Regen können wir kaum sehen wo wir überhaupt sind. Wir steigen aus um draussen im Scheinwerferlicht etwas mehr zu erkennen. Dabei sinken wir fast ein im Matsch. Das wird nichts. Weiter suchen.
Etwa 20 Minuten später finden wir den nächsten Parkplatz, mit denselben Bedingungen. Etwas Besseres werden wir heute wohl nicht mehr finden. Wir sind müde und brauchen Schlaf. Also machen wir das Beste draus.
Rolf parkiert den Van und den Trailer so gut es eben geht nebeneinander. Die Hunde müssen noch raus. Erst muss der ganze Müll weg der da massenweise liegt (Fastfoodresten, Klopapier, Zigarettenstummel, Kacke, etc.). Taia, unsere Goldie-Hündin im Jugendalter, ist noch in dem Alter in dem sie fast alles frisst was sich nur irgendwie dafür anbietet. Das kann schief gehen.
An den beiden Folgetagen und Nächten finden wir ähnliche Bedingungen vor: Campingplätze zu, Übernachtungsplatzsuche äusserst schwierig. Wir sind beide k.o. Rolf vom Fahren, ich vom Navigieren und Suchen. Und wir beide von den vielen Leerläufen.
Auch der Dauerregen setzt uns langsam zu. Bei den engen Platzverhältnissen die wir haben, kann nichts wirklich trocknen. So ziehen wir uns dieselben nassen Regenhosen und Jacken an wie Stunden zuvor. Frotteetücher mit welchen wir die Hunde trocken rubbeln sind ebenfalls alle noch nass. Und beim nächsten Aussteigen geht alles von Vorne los.

Zudem verlieren wir mit der ewigen Suche nach einem Übernachtungsplatz sehr viel Zeit. Die geht uns ab von einer tollen Wanderung oder anderen Unternehmungen. Das war der Grund, warum wir in Schottland teilweise mehrmals auf demselben Campingplatz übernachtet und von dort aus Tagesausflüge unternommen haben. Praktisch war auch, dass wir den Trailer jeweils vor Ort lassen konnten und ausschliesslich mit dem Van flexibler unterwegs waren. Hier wird das unter den gegebenen Bedingungen schwierig.
Die Wetterprognose für die nächsten 6 Tage lässt weiterhin auf Dauerregen schliessen. Wir brauchen einen Plan. „Weisst Du was? Wir mieten uns ein Cottage! Nur für 1 Woche. Dann kann alles mal richtig trocknen, wir können die Kleider waschen, sind im Trockenen, haben Platz, eine Dusche, eine Küche und können uns einfach einmal entspannen.Und wir können die Zeit für Tagesausflüge in die Nationalparks nutzen.Was meinst Du?“.
Wir sind uns schnell einig. Im Internet suchen wir nach etwas Passendem. Ein günstiges Cottage das preislich noch in unser Budget passt und günstiger als ein Hotel wäre, findet sich und wir buchen es gleich. „Hoffentlich klappt’s!!!“ Das wäre in dem Moment wirklich eine Erleichterung. Tags darauf erhalten wir eine positive Zusage. In 2 Tagen werden wir den Luxus von ein paar Quadratmetern mehr für 7 Tage wertschätzen dürfen! Yesss!
Connemara Nationalpark.
Die Dame welche uns den Schlüssel für das Cottage hinterlegen wird, hat uns zudem noch einen wertvollen Tipp gegeben; ein Campground in der Nähe des Orts Clifden, in der Umgebung wo das Cottage auf uns wartet, hat geöffnet. Den Link sendet sie uns per E-Mail und ich nehme Kontakt auf. Perfekt! Und genau da sind wir gelandet:

Auf dem Clifden Eco Beach Camping im Connemara Nationalpark.
: Belfast. : Belfast.Ein traumhafter Ort! Zwischen Bergen,kleinen Inseln, dem Nord Atlantik und weissen Sandstränden.
Diesen schlendern wir, trotz starkem Wind und Regen mit den Hunden entlang. Wenn es jetzt schon so wunderschön ist an diesem Ort, wie muss das erst sein wenn die Wetterbedingungen ein bisschen einladender sind?
Strandmüll.
Vor ein paar Jahren, während eines Urlaubs in der Bretagne, haben Rolf und ich damit begonnen, Strandmüll zu sammeln. Und zu entsorgen. Ein Jahr später, standen entsprechende Entsorgungsboxen an verschiedenen Stränden. Ein wichtiger Schritt nach vorne. Vielleicht als Motivation und zur Vereinfachung, ein paar Dinge aufzulesen und zu entsorgen.
Der Strand hier ist erstaunlich sauber. Dennoch fällt mir auch hier der angespülte Müll auf. Bilder, die wohl jeder von uns schon angetroffen hat. Ich kann es einfach nicht ausblenden. Es gelingt mir nicht.
Am Nachmittag ziehe ich noch einmal los und fotografiere einige der Fundstücke.

Den Müll den wir sehen können, ist nur ein winziger Bruchteil von dem was im Meer herumtreibt oder auf dem Meeresboden verfrachtet. Mikroplastik. Von blossem Auge nicht mehr zu erkennen. Die Meerestiere sind dieser Belastung ausgesetzt. Sie verschlucken kleine Plastikteile und Schnüre und verenden daran. Wir alle kennen die Bilder von Schildkröten, Delfinen und anderen Meeresbewohnern die sich in Netzen und im Plastikmüll verfangen, verletzen, ersticken. Oder von Wasservögeln, die ihre Jungtiere mit unverdaulichem Plastikmüll füttern, an dem sie sterben.
Das sensible Ökosystem leidet unter unserer Rücksichtlosigkeit und Verantwortungslosigkeit. Wir sind Teil davon. Es macht ohnmächtig.
Chris, der Campwart des Eco-Clifden-Campgrounds, legt hohen Wert darauf, auf die Natur Rücksicht zu nehmen und ist entsprechend organisiert. Wie er das macht, hält er auf seiner Website fest. Sein Campground erhielt dafür ach schon Auszeichnungen.
In diesem Zusammenhang hinterfrage ich auch wiederholt mein eigenes Handeln. Verbunden mit der Frage, welchen Teil ich als Person dazu beitragen kann, dass es unserem Planeten besser geht. Ich werde täglich durch seine Schönheit beschenkt. Ich finde, ich bin es ihm schuldig, einerseits meine Fussabdrücke die ich hinterlasse, verantwortungsbewusst zu setzen. Und andererseits über all dort, wo ich die Chance habe durch mein Handeln der Natur etwas zurück zu geben, diese wahr zu nehmen.


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