Die Überfahrt mit der Fähre von Dover nach Calais verläuft problemlos. Das Meer ist ruhig, wir schippern friedlich über den Ärmelkanal.
In Calais suchen wir umgehend nach dem Verlassen der Fähre den kilometerlangen Sandstrand auf. Noch einmal geniessen wir ganz bewusst, das Einatmen der salzigen Meerluft. Morgen heisst es, Abschied nehmen von der Küste, auf dem Weg ins Inland. Und allmählich nach hause.
Auf der Plattform beim Cap Gris Nez, nähe Calais

Auf unserem Strandspaziergang fallen uns einmal mehr die vielen Bunker auf. Sie sind überall entlang der Küste zu finden. In der Normandie, in Haut Frankreich bis in die Bretagne sind wir ihnen begegnet.
Sie sind beständige Mahnmale des 2.Weltkriegs.
Die Geschichte wiederholt sich.
Rolf und ich hatten so viel Glück, so viel Schönheit erlebt auf unserer Reise in den letzten Wochen. Andere können in diesem Moment nicht einmal davon träumen. Sie kämpfen und fürchten um ihr Leben.
Ich möchte diesen Blog-Beitrag diesen Tatsachen widmen.
Kunstwerke und Krieg.

Die Betonwände der Bunker bieten Flächen für eindrückliche Graffiti Kunstwerke.



Gedenkstätten.
Hinter den Dünen treffen wir auf eine Gedenkstätte des 1.Weltkriegs.

Wir stehen vor all diesen unzählbaren Gedenktafeln und Kreuzen die mit Namen und Alter der Verstorbenen beschriftet sind. …18 Jahre…23 Jahre….33 Jahre…19 Jahre…
Junge Menschen die in einem dieser vielen sinnlosen Kriege ihr Leben gegeben haben. Als Mutter von 4 Söhnen in diesem Alter, werde ich besonders nachdenklich. Es zieht mir das Herz zusammen.

Diese Gedenkstätte bei Calais ist eine von vielen in dieser Form und in diesem Ausmass. In fast jedem 10. Ort hier treffen wir auf eine weitere.
Die Orte sind beseelt. Inmitten dieser Kreuze zu stehen, löst Emotionen aus. Verbunden mit dem Gedanken an die Tatsache, dass sich dieselbe Tragik unweit in diesem Moment wiederholt.

Während dem wir beide gerade den Luxus und die Schönheit dieser Reise erleben dürfen und unser einziges Problem ein gespaltener Zahn oder der Ausfall des Turbos war, sind jene Menschen mit einer Situation konfrontiert, die nicht in Worte zu fassen ist. Sie kämpfen und fürchten um ihr Leben und um dasjenige ihrer Familien.
Wir stehen auf dieser Gedenkstätte und spüren beide eine tiefe Betroffenheit. Die Kreuze erinnern an eine Geschichte, die nie mehr so hätte stattfinden dürfen. Es aber in diesem Moment wieder tut.
Sie lässt uns ahnen, dass die Hoffnung auf eine Welt ohne Krieg, eine Hoffnung die Millionen von Menschen in ihren Herzen tragen und die so viele von uns miteinander verbindet, mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Illusion ist.

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