Es gibt sie zwar auch in Frankreich. Die Verkehrsregeln. Sie sind jedoch eher theoretischer Natur.
Da überholen sich schon mal zwei Sattelschlepper und kommen einem auf einer schmalen Tempo 80 Strasse nebeneinander entgegen. Ob da gerade Gegenverkehr kommt oder nicht, spielt eine eher unter geordnete Rolle. Wird schon schief gehen. Ich gebe zu, ich bin nicht wirklich für die Strassen gemacht. Eine endlose Weite, ein dichter Wald, ein Bergrücken; überall da wo mein Orientierungssinn gefordert ist, erschreckt mich nicht. Solche Verkehrssituationen jedoch schon. Mit ein Grund warum ich so gerne zu Fuss und mit Rucksack unterwegs bin.
Rolf nimmt’s gelassen.
Raureif.
Am Ufer des Flusses L‘Ain haben wir eine ruhige Übernachtungsstelle gefunden. Ein kleiner Parkplatz direkt am Steg der rüber auf eine kleine Insel führt. Im Sommer wird hier viel los sein. Jetzt zu dieser Jahreszeit hingegen, ist alles wie ausgestorben. Der Platz ist für uns perfekt.
Eine längere Fahrstrecke liegt hinter uns. Die Hunde brauchen Bewegung! Ich auch ;-).
Während dem Rolf sich mit dem Aufbau der Freiluft-Dusche am Van beschäftigt, erkundigen die Hunde und ich die kleine Insel.
Ich stehe am Kieselstrand, atme die kühle Luft ein und geniesse die letzten wärmenden Sonnenstrahlen dieses Tages. Zwei Schwäne paddeln vorbei. Kein Mensch weit und breit. Chinook und Jamie schnüffeln das Ufer ab. Taia schwimmt ihre gewohnte Runde und schnappt sich stolz ein Stück Schwemmholz.
Ich mache mich auf den Rückweg, es wird dunkel.
Zurück beim Van ist die Dusche inzwischen aufgebaut. Und Rolf freiluft-geduscht ;-). Auf dem Dach haben wir eine Solaranlage durch welches das Duschwasser tagsüber anhand der Sonneneinstrahlung aufgewärmt wird. Aufgewärmt werden sollte…Das Wasser ist eiskalt! Bei mir gehts daher zackig 😉

Eine weitere klare Nacht mit Minustemperaturen liegt hinter uns. Ein wunderschöner Raureif hat sich auf dem Boden und den Bäumen gebildet. Filigrane Eisnadeln glitzern in den ersten Sonnenstrahlen. Ich mag diese Stimmung am frühen Morgen. Die Natur ist noch so rein. Noch so bei sich.
Brennendes Hausboot.
Nachdem wir unsere Fahrt eine Weile fortgesetzt haben, legen wir eine Pause ein. Ich navigiere uns zum Ausgangspunkt einer knapp 2 stündigen Rundwanderung. Rolf und ich haben uns ein paar Jobs zugeteilt. Das hier ist einer davon. Meiner.
Nicht nur wir, auch die Hunde freuen sich über jede dieser Gelegenheiten, raus zu kommen, neue Gegenden zu erkunden. Interessante, fremde Düfte zu entdecken.
Taia im Besonderen. Sie liebt Sümpfe! Pfützen! Schlammsuhlen! Egal was, Hauptsache irgendwie nass! Hauptsache Matsch! Und sie findet tatsächlich JEDEN! Sei er noch so versteckt. Und wir noch so ahnungslos. Nutzt nix. Da springt sie gerade noch trocken und sauber aus dem Van um nur in Sekundenbruchteilen später vollbetoniert wieder auf der Matte zu stehen. Alleine deswegen schon macht die Aussendusche Sinn…
Der heutige Weg führt einem Kanal entlang. Nach einer Biegung, überbrücken wir eine kleine Schleuse. Auf deren anderen Seite ist der Kanal nur noch ein winziges, schlammiges Rinnsal. Wir wundern uns darüber. Auf der Brücke steht ein Aufgebot an Polizeibeamten und Feuerwehrleuten. In der Luft fliegen zwei Drohnen, auf dem Wasser schwimmt ein kleines Bötchen mit aufliegendem Tauchroboter. Öl glänzt auf der Wasseroberfläche. Was ist hier los? Wir wollen’s wissen. Rolf spricht einen der Anwesenden an. Wir erfahren; ein Hausboot hat Tage zuvor gebrannt. Hier an dieser Stelle. Beim Löschvorgang ging das Boot unter. Dabei lief Öl aus. Was der Grund dafür ist, dass der Kanal trockengelegt werden musste. Um weiteren Schaden durch das Öl zu verhindern. In selbigem Kanal finden wir verendete Fische und es stinkt erbärmlich. Ein nachdenklich machender Anblick.
Wassertank.
Nicht nur für die Fische ist Wasser lebensnotwendig. Auch für uns. Seine Bedeutung wenn es da ist oder eben nicht da ist, wurde mir auf vergangenen Reisen und Weitwanderungen mehr als bewusst.
Im Van haben wir einen Tank an Bord der gute 150 Liter fasst. Er ist fast leer. Wir brauchen Wasser-Nachschub. Zum Trinken, zum Kochen, zum Waschen, für uns und für die Hunde. Normalerweise ist das kein Problem. Die meisten Tankstellen oder gesonderten Anlaufstellen für Wohnmobile, bieten entsprechende Füll-Stationen an. Nachdem wir mehrere davon vergeblich angepeilt haben, müssen wir einsehen, dass das zu dieser Jahreszeit kein ganz so einfaches Unterfangen ist. Da die Temperaturen nachts unter den Gefrierpunkt gehen, wird die Zuleitung zu solchen Stationen verständlicherweise abgestellt.
An einer Stelle haben wir Glück. Auch hier dreht der Wasserhahn zwar ins Leere. Aber; der Druckknopf der zur Spülung der Toilettenkassette dient und nur einen kurzen Wasserstrahl frei gibt, funktioniert nach dem Geldeinwurf.

Rolf fixiert den Füllschlauch mit Panzertape an die Vorrichtung; et Voilà, wir sind „gerettet“. Während dem wir da stehen, Rolf den Druckknopf in Schach hält und wir diesem Prozess Zeit geben, lassen uns Rufe von Vogelschwärmen am Himmel den Blick nach oben richten. Zugschwärme von Kranichen!
Faszinierend wie sie in Keilformationen aufeinander treffen, sich reibungslos und anmutig zu einem grösseren Schwarm verbinden und wie sie die Thermik nutzen, indem sie sich durch aufsteigende Winde nach oben schrauben. Und im Gleitflug weiter ziehen.
Nachtlager.
Allmählich finden wir zu einem guten Rhythmus. Die Abläufe gehen leichter von der Hand, wir beide sind für gewisse Aufgaben zuständig. Und andere wiederum, fallen spontan an. Die Suche eines passenden Übernachtungsortes zum Beispiel ist so eine. Campingplätze sind ausserhalb der Saison geschlossen.
Es entspricht uns zudem mehr, einen Ort abseits zu suchen. Ausserhalb von Städten und Dörfern. Wir brauchen jedoch eine möglichst ebene Stelle und genügend Platz, um den abgekoppelten Rapido und den Van neben oder hinter einander aufzustellen. Viele verlockende Wege in die Pampa landen in einer Sackgasse und/ oder bieten keine Wendemöglichkeit. Über die Vogelperspektive der Google App finden wir jedoch meist gute Stellen. Die wir dann aufsuchen. So auch heute. Ein ruhiger Platz bei Chateauneuf, am Ufer des Plan d‘Eau du Lambon.

Und morgen….morgen erreichen wir den Atlantik!! Ich kann es kaum erwarten!

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