Diesen Beitrag möchte ich einem ganz besonderen Bewohner dieser Insel widmen: Einem Esel. Aber nicht irgend einem Esel. Sondern einem, mit einer ganz besonderen Präsenz: Dem zotteligen Poitou-Esel. Dem Baudets du Poitou.
Diese gutmütigen Inselbewohner sind eine gefährdete Grosseselrasse.
Weltweit gibt es von ihnen nur etwa 1000 die offiziell eingetragen sind. Hier auf der Ile de Ré haben sie einen festen Platz. Hier haben sie eine lange Geschichte.

Wichtige Helfer.
Eine Bäuerin, auf deren Hof wir freundlicherweise unseren erneut leeren Wassertank auffüllen dürfen, beantwortet geduldig meine Fragen zu diesen seltenen Tieren. Sie erzählt mir, dass die Poitou-Esel hier auf der Ile de Ré in früheren Zeiten wichtige Helfer bei der Salzernte und beim Sammeln von Seetang gewesen seien.
Nützliches Pijama.
Lästige Mücken und Zecken machten den gutmütigen Eseln bei dieser Arbeit jedoch das Leben schwer. Und zwar so sehr, dass sie Entzündungen bis hin zu Blutvergiftungen davon trugen. Da hatte eine Frau (der Legende nach) eine Idee: Sie verwendete ein altes gestreiftes Hemd ihres Mannes um die Beine der Esel damit zu bedecken. Die Esel sahen dabei aus, als würden sie ein Pijama tragen. Noch heute wird dieser alte Gebrauch auf der Ile de Ré zu gewissen Anlässen praktiziert.
Ich bin fasziniert von diesen liebenswerten Geschöpfen, die wir hier und da auf Weiden entdeckten. Sie fallen auf mit ihren langen Zottelhaaren.
Ich möchte sie so gerne näher kennen lernen.

Güte.
So nehmen wir uns die Zeit, um sie eine Weile aus der der Nähe zu beobachten. Ich bin beeindruckt. Nicht nur von ihrem besonderen Äusseren.
Sondern vor allem von der erstaunlichen Ruhe und Friedfertigkeit welche sie ausstrahlen. Eine fast greifbare Gelassenheit die sich auf das Umfeld überträgt. Meine Pulsfrequenz sank in ihrer Gegenwart von geschätzten 80 auf gefühlte 50. Die Liebenswürdigkeit und Geduld die von diesen Tieren ausgeht, ist nicht in Worte zu fassen.
Manche Bewegungen werden fast in Zeitlupentempo ausgeführt. So etwas wie Stress scheint für sie inexistent zu sein. Fast so, als wären sie nicht von dieser Welt. Oder; als könnten wir einiges von ihnen lernen.
Die Begegnung mit ihnen wirkt wie ein warmes Vollbad der Entschleunigung. Ich bin tiefenentspannt. Und verliebt.


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