Autopanne.

Seit gefühlt 20 Stunden sitzen wir schon im Auto. Mindestens. Selbst „Turnübungen“ auf dem Beifahrersitz bringen nur ganz kurzfristig eine Entspannung. Ich habs gewusst, das wird eine Herausforderung.

Auf dieser Fahrt jedoch, wird noch eine andere, unerwartete auf uns zukommen. Davon weiter unten.

Wir müssen tanken. Endlich! Anhalten. Und für ein paar Minuten aufstehen.

Beim Verlassen der Tankstelle fahren wir im Schritttempo an einem Lastwagen vorbei. Einer mit Luftschlitzen auf beiden Seiten. Oh nein…

Unsere Blicke begegnen sich; ich schaue in die dunklen, ausdrucksstarken und angsterfüllten Augen der Kälbchen. Absolut still und dicht aneinander gedrängt schauen sie zwischen den Luftschlitzen durch. Wohin ihre Fahrt geht, ist klar.

Tags zuvor erlebte ich dieselbe Situation mit Schweinen. Sie hatten kaum Platz, waren völlig zusammen gepfercht an die Gitter gepresst. Auch ihre Augen sehe ich innerlich noch vor mir.

Mich überfällt eine traurige Nachdenklichkeit.

Ich hab kein inneres Gerüst, keinen inneren „Fahrplan“, kein emotionales Schutzschild wenn ich so etwas sehe. Hatte es noch nie. Anblicke wie diese lassen mich verzweifeln.

Ich werde es zeitlebens nicht verstehen, welches Leid wir den Tieren antun. Wie wir mit ihnen umgehen. Und mit welcher Selbstverständlichkeit wir sie als Nahrungsmittel betrachten.

Ich träume von einer zukünftigen Welt, in welcher die gewohnten Denk- und Handlungsweisen hinterfragt werden. Eine Welt in der die heute geltenden Massstäbe relativiert und korrigiert werden.

Eine Welt, in welcher wir Menschen mit einem überarbeiteten moralischen Bewusstsein ausgestattet sind die an unser Mitgefühl anknüpft. Eine, in der wir unsere ethische Verantwortung erkennen und wahrnehmen.

Eine Welt, die sich weiter entwickelt hat, in welcher all diese Brutalität die wir gegenüber Tieren und Menschen ausüben, keinen Platz mehr hat.

Weil wir irgendwann erkannt haben werden, worum es auf dieser Erde geht.

“Die Grösse und den moralischen Fortschritt einer Nation, kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln.“ Mahatma Gandhi

Gelbes Warnlämpchen.

Ich versuche meine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. Und setze mich hinter das Steuerrad. Vielleicht hilft die Konzentration.

Rolf versinkt indessen auf dem Beifahrersitz in einen verdienten Powernap. Ich docke mich an den Hintern eines Sattelschleppers der in angenehmem Tempo fährt.

Nach einem erneuten Fahrerwechsel, Rolf hat wieder das Steuer übernommen, beginnt eine gelbe Warnlampe auf dem Display zu blinken. Der Warnhinweis betrifft den Motor. Mist!

Ich nehme das Handbuch des Vans hervor um diesem genauere Hinweise zum aufblinkenden Signalzeichen zu entnehmen.

Wir werden immer langsamer. Gaspedal durchdrücken nutzt nix. Wir sind auf der Autobahn. 80kmh müssen daher mindestens drin liegen. Rolf wechselt von der Automatik auf Handschaltung. Damit erreicht er mehr Power im Motor. Es ist ziemlich klar, der Motor läuft im Notprogramm. Wir müssen die nächste Ausfahrt nehmen und schauen was wir tun können.

Es ist bereits dunkel und wir schaffen es zum Glück noch bis zu einer geöffneten Tankstelle. Rolf telefoniert mit einem befreundeten Garagisten (Danke Raffi!!) in der Schweiz. Der empfiehlt, so gut er das aus der Ferne und anhand unserer Angaben kann, was zu tun ist. Batterie abhängen, eine halbe Stunde warten, wieder anhängen, Motor starten und hoffen, dass das Problem damit gelöst sei. Wenn nicht, Fachhilfe anfordern. Wird gemacht.

Der Prozess mit der Batterie ist durch. Der Motor gestartet. Erneut flackert die Warnlampe auf. Wir versuchen Hilfe über eine der umliegenden Garagen zu bekommen. Zu spät. Um diese Uhrzeit arbeitet da keiner mehr.

Rolf telefoniert sich durch. Wir benötigen einen Versicherungsausweis der bestätigt, dass unsere Versicherung auch im Ausland kostendeckend ist. Sonst kommt hier keiner. Der muss aber erst in der Schweiz abgefragt und angefordert werden. Schwierig um diese Uhrzeit.

Endlich! Ein weiteres Telefonat klingt vielversprechend. Eine TCS ähnliche Organisation möchte uns, nach einigem Hin und Her tatsächlich eine Pannenhilfe vorbei schicken. Obwohl diese ansonsten nur für stehen gebliebene Fahrzeuge auf der Autobahn zuständig seien. Nicht für solche, die es von da noch runter geschafft haben.

Wie auch immer, In spätestens einer halben Stunde sei jemand bei uns. Eine Stunde später, ist noch keiner da. Die Zentrale kann uns keine genauere Auskunft geben. Noch weiter hier stehen zu bleiben, bringt nichts. Wir entschliessen uns, auf gut Glück weiter zu fahren. Die Fähre ist reserviert für den kommenden Morgen. Irgendwie müssen wir das schaffen! So weit ist es nicht mehr bis ans Ziel nach Calais. Und Gottseidank, wir schaffen es!

Wenn auch spät.

Unfreiwillige Verkehrsblockade.

Es ist ein Uhr morgens, dunkel, wir befinden uns am Rande einer Grossstadt, Wir sind beide hundemüde und möchten nur noch schlafen. Der nächst beste Parkplatz muss zur Übernachtung herhalten. Egal wo, Hauptsache Augen zu und schlafen.

Am nächsten Morgen werden wir geweckt; ein Herr macht uns darauf aufmerksam, dass unser Übernachtungsplatz eigentlich ein Wendeplatz für grosse Lastwagen sei. Sie stehen bereits Schlange…sehr peinlich;-)) Wir packen schnellst möglich alles zusammen und geben den geduldigen Chauffeuren den Platz frei.

Müde aber in gespannter Vorfreude, peilen den Hafen an. Das Warnlämpchen blinkt noch immer. In England, möchten wir uns endlich drum kümmern..

Calais-Dover.

Wir fädeln uns ein in die vorgegeben Linie der Auffahrt. Bis zum Zoll. „Ihre Pässe bitte.“ Gerne händige ich der Dame im Glashäusschen sowohl unsere als auch diejenigen der Hunde aus.

Die Einreise nach England setzt für Hunde unter anderem eine Tollwutimpfung als auch eine spezifische Entwurmung voraus. Welche beide innerhalb eines gewissen Zeitraums vor der Einreise verabreicht werden müssen. Die Dame kontrolliert die Daten und Einträge akribisch genau. In meinem Kopf rattert es und ich hoffe, im Vorfeld wirklich alles so bei der Tierärztin erledigt zu haben, wie es die Gesetze der UK für die Einreise vorschreiben.

Uns fällt ein Stein vom Herzen, als wir endlich die Tickets ausgehändigt bekommen. Und boarden dürfen!

Die P&O Ferries bieten für den Transfer für Personen mit Hunden im Schlepptau eine sogenannte Pet-Lounge an. Mit Innen- und Aussenbereich. Wir sind erstaunt über den bequemen Luxus. In dieser Ausstattung habe ich das noch bei keinem Fährunternehmen erlebt. Kaffee und diverse Getränke stehen in dem Raum gratis zur Verfügung. Es ist sauber und ruhig hier. Die grossen Fenster geben die Sicht frei aufs Meer.

Wir haben die Pet-Lounge für uns alleine! So geniessen wir die 1.5 stündige Überfahrt völlig entspannt und voller Vorfreude auf die Ankunft in Dover.

Die bequeme Pet-Lounge

Es ist kalt, neblig und es nieselt als wir die Fähre verlassen. Trotzdem möchten wir uns baldmöglichst die Füsse vertreten. Mir fällt eine Aussichtsplattform auf. Trotz Nebel. Auf einem Hügel, über der Stadt. Ausgerichtet aufs Meer. Schnell ist im Navi eine Stecknadel gesetzt und es führt uns da hin. Die Garage kann warten, erst kommt die Aussicht.

Eine schmale Strasse schlängelt sich den Hügel hinauf. Bis wir uns an den Linksverkehr gewöhnt haben, wird es noch einen Moment dauern. Ein Kleber im Cockpit mit der Aufschrift „Links!!“ soll uns als Reminder daran erinnern.

Zu unserem Erstaunen landen wir, ziemlich spontan, nicht nur auf der Aussichtsplattform sondern auch bei dem dazu gehörenden Schloss von Dover. Dem grössten Schloss Englands.

Wenn wir schon mal da sind, schauen wir uns dieses grosse Anwesen auch an. Die Anlage ist riesig, wunderschön gepflegt und historisch äusserst interessant. Man kann sich hier locker einen halben Tag verweilen um durch die ganze Anlage und durch alle Gebäude zu spazieren.

Das nette Team von der Information vor Ort ist uns dann auch behilflich bei der Suche nach einer infrage kommenden Werkstatt für unseren Sprinter. Sie empfehlen uns eine naheliegende Garage, die wir umgehend aufsuchen.

Wir haben Glück! Der Chef selbst nimmt den Motor unter die Lupe. Er vermutet, dass die Ursache des Übels am Verteilerkasten des Turboladers liegt. Dieses kleine Teil muss ersetzt werden. Wir müssen jedoch Geduld haben und bis morgen früh warten. Erst dann wird er das Ersatzteil in der Werkstatt haben.

Der hilfreiche Herr drückt uns vorerst die Daumen, dass der Schaden damit dann hoffentlich behoben sei und unserer Weiterreise nichts im Wege stehe. Versprechen könne er uns nichts.

Wir drücken uns selbst die Daumen und denken positiv. In jedem Fall sind wir dankbar, hier in Dover diesen hilfsbereiten und kompetenten Garagisten gefunden zu haben.

Bis morgen liebes Reisegefährt.

2 Antworten zu „Autopanne.“

  1. Respekt, dass ihr da so besonnen geblieben seid und die Fähre wie geplant bekommen habt. 🙂 Ich drücke euch die Daumen, dass alles schnell wieder repariert ist.

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    1. Herzlichen Dank dafür 💜
      Wir sind gerade auf dem Weg in die Werkstatt und halten euch auf dem Laufenden✊

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