Abschied von Irland.

Unser letzter Tag in Irland.

Ein ausgedehnter Strandspaziergang als Auftakt. Im Anschluss möchten wir kurz zum Hafen von Rosslare fahren, in welchem am frühen Morgen des 25. März unsere Fähre Irland verlässt und uns nach England rüber bringt. Wir möchten uns vergewissern wieviel Zeit wir für die Fahrt vom Campground bis zum Hafen benötigen damit wir tags darauf rechtzeitig da sind.

Im charmanten Örtchen Wexford, gleich neben Rosslare, bummeln wir durch die Gassen und parken uns in einem gemütlichen Restaurant. Ich liebe diese Wraps, mit Hummus und Gemüse gefüllt! Die sind hier fast überall zu bekommen.

Im Anschluss geniessen wir einen letzten ausgedehnten Strandspaziergang auf irischem Sandboden. Ein starker Wind bläst uns um die Ohren und treibt dunkle Wolken an. Dazwischen zirkulieren weisse Cumulswölkchen, abwechselnd mit blauen Aufhellungen. Dieses Wechselspiel des Himmellichts ist faszinierend. Und als Krönung dieses kraftvollen Naturschauspiels bildet sich ein Regenbogen.

Was für ein Geschenk zu unserem Abschied von Irland!

Wir drücken zwei entgegen kommenden Damen unser Handy in die Hand und bitten sie, diesen Moment für und mit uns beiden, per Bild festzuhalten.

Frühe Tagwache.

Der Wecker klingelt um halb sechs. Wir müssen los. Schnell ist alles zusammen gepackt.

Das Einchecken geht problemlos, es gibt nicht einmal eine Ausweiskontrolle. Ich nutze die Zeit vor dem Boarding um mit Chinook, Jamie und Taia noch kurz ein paar Schritte zu gehen. Für Jamie ist dieses Frühaufstehen eine Zumutung. Ich seh‘s an seinem vorwurfsvollen Blick. Er ist ein Langschläfer.

Ich setze mich auf eine Holzbank auf einem Stück Wiese, die Hunde schnüffeln im Gras und ich geniesse den Moment. Rolf hat sich zwischenzeitlich einen Kaffee geholt und setzt sich zu uns. Er kramt die Tickets aus der Hose welche wir beim Check-In bekommen haben. „Schau mal. Das sind nur zwei Tickets.“ sagt er. „Naja, wir sind bei der Anmeldung halt alle einheitlich erfasst worden.“ gebe ich als logische Erklärung ab. „Nein. Auf beiden steht nur mein Name drauf. Das heisst, ein Ticket ist für mich und dann darf mir noch einen von euch aussuchen“. Dabei grinst er mich und die 3 Hunde an. „Ich nehm Jamie“ fährt er fort „Der ist am pflegeleichtesten. Er schläft lange, will nicht weit spazieren und bei Regen will er erst gar nicht raus. Wir ergänzen uns.“ Ich muss lachen. Es hat was.

Seekrank.

Wir legen ab! 4 Stunden dauert die Überfahrt.

Unsere Mägen sind noch leer. „Ich hab Hunger! Lass uns etwas an der Theke holen.“ Wir werfen einen Blick auf das typisch English Breakfast; Würstchen, Speck, Eier und Tost. Nicht wirklich. Wir nehmen Kaffee. Schwarz. Und ein Croissant.

An einem gemütlichen Platz am Fenster machen wir es uns damit bequem. Nach einer Stunde möchte ich mir die Beine vertreten und spaziere – schwankend aufgrund des Seegangs- an die vordere Spitze des Schiffs. Dort lasse ich mich in einen tiefen Sessel direkt vor dem Fenster mit Blick nach vorne plumpsen. Wie beeindruckend! Dieses riesige, offene Meer doch ist! Und was für ein Wellengang! Es hat etwas meditatives, den Meereswogen zuzuschauen. Das hab ich in diesem Ausmass noch nie erlebt. Der Bug unseres grossen Schiffs steigt hoch und wirft sich heftig wieder runter. Die sich dadurch bildende Gischt zeichnet aufgewühlte weisse Muster auf dem grau-grünen Wasser.

Ich frage meinen Magen ab: Keine Übelkeit. Wer wird denn schon seekrank. Das könnte ja doch etwas werden mit einem Aufenthalt auf einem Schiff bei Sea Shepherd. Eine Organisation die sich für Delfine und Wale stark macht. Das schwebt mir immer mal wieder vor.

www.seashepherd.org

Eine Weile bleibe ich noch an diesem spannenden Fensterplatz, dann kehre ich – ein bisschen stärker schwankend – zurück zu Rolf an unser gemeinsames Tischchen im Mittelteil des Schiffs.

Der Seegang wird stärker. Unser grosses Schiff schwankt in alle Richtungen. Es werden Durchsagen gemacht man solle aufgrund der Schwankungen bitte vorsichtig sein im Umgang mit heissen Getränken beim Gehen. Damit nichts auskippt. Oder vielleicht lieber gleich sitzen bleiben. Ich versuche es auszublenden, aber mir wird schlecht. Anfangs nur leicht. Dann habe ich es nicht mehr im Griff. Ich greife zu Rolf’s leerem Kaffeebecher. Nur für den Fall…Rolf sitzt da, bekommt davon nichts mit und erzählt mir munter irgendwelche Dinge denen ich nicht mehr folgen kann und die sich mit dem Geruch der öligen Würstchen von der Theke vermischen. Ich versinke immer tiefer im Sessel. Bitte bitte jetzt nicht kötzeln.Es dauert ja nur noch gute 3 Stunden…Ich kapsle mich ein, liege fast waagrecht und schliesse die Augen. So wird’s ein klein wenig besser. „Du siehst nicht gut aus“ bemerkt mein aufmerksamer Gatte. Ich bete und sende ein Stossgebet nach oben. Als wir endlich in die Bucht einfahren, der Wellengang weniger und die Anlandung absehbar wird, atme ich innerlich auf.

Ich glaub das wird doch nix mit Sea Shepherd…ausser vielleicht beim Bodenpersonal. Auf dem Festland.

Kuhpferde.

Da sind wir wieder. Englisches Land unter den Reifen. Geschafft! Wir möchten schnellstmöglich raus aus der Stadt und einen Strand aufsuchen. Und Luft schnappen.

Wir lassen Pembroke hinter uns und fahren einen Moment übers Land. „Schau mal, da vorne, was sind denn das für Tiere?“ Rolf zeigt mit dem Finger in die Ferne. Ich erkenne viele schwarz-weisse Punkte auf einer Wiese, dicht beieinander. „Das sind doch Kühe!“ Ich muss loslachen „Wer ist denn hier der Bauer, hm? Ein Bauer der Kühe auf einer Weide nicht erkennt! Na hör mal“. Ich lache weiter. Er schweigt. Die Punkte kommen näher. Es sind Pferde. Schwarz-weisse Trinker. Eine ganze Herde. Nun ist es Rolf der loslacht. Und mir einen kleinen Vortrag über den Unterschied zwischen Kühen und Pferden hält.

Südküste.

Mit England hatten wir im ersten Teil der Reise ja nicht wirklich Freundschaft geschlossen. Ich geb’s zu. Hier an der Südküste eröffnet sich uns ein anderes Bild. Weiter, offener, bisher auch freundlicher. Wir finden einen wunderschönen Strand mit weiten Dünen im Hintergrund. Endlich, hier können wir uns bewegen und die Hunde durch den Sand sprinten. Taia trifft eine fast gleichaltrige Golden-Retriever Hündin. Die beiden toben sich aus. Ich stelle immer wieder fest, dass sich Goldies untereinander sofort „erkennen“ und sich gegenseitig abholen. Wie eine grosse Familie. Das ist berührend.

Taia (die vorne rennt)und eine Strandfreundin.

Strandmüllsammeln.

Auf dem Strandspaziergang finde ich hier und da verwickelte Angelschnüre, Teile von Fischernetzen, Plastikringe etc. Ich sammle die Dinge in einem Robidogsäckchen, welches aber schnell nicht mehr gross genug ist für die Fundstücke. Rolf packt mit an. Bald sind wir beide beladen und kommen so nicht wirklich weiter. „Schau mal, da oben liegt ein blaues Fass. Lass uns dieses sicher hinstellen, ohne dass der Wind es umwirft. Dann können wir das Material darin sammeln.“ schlage ich vor. Das blaue Fass, ebenfalls bei Flut aus dem Meer angeschwemmt, beschweren wir mit einem Stein und werfen unsere Sammelstücke hinein.

Wir sammeln weiter bis es voll ist. Es bräuchte 10 weitere Fässer um den Strand zu reinigen. Ich hoffe, dass es auch hier irgendwann diese Boxen für Strandmüll geben wird wie sie in der Bretagne mehr und mehr vorzufinden sind. Ich glaube daran, dass es Menschen motiviert. Und Möglichkeiten schafft.

Zwei Tage später, an einem kilometerlangen Strand bei Canterbury, beobachte ich zwei Leute in gelben Gilets, mit langen Greifzangen und Müllsäcken, wie sie dabei sind dasselbe zu tun. Angeschwemmten Strandmüll sammeln. Ich spreche sie an. „Grossartig was ihr hier tut. Macht ihr das über eine Organisation oder privat?“ „Oh ich mache das schon seit über 5 Jahren. Es ist eine sinnvolle Beschäftigung. Ich mache das hier am Strand, aber auch in der Stadt. Es ist ein gutes Gefühl wenn es danach sauberer ist. Zumindest für ein paar Tage.“ antwortet sie. Die beiden sind mit den Fahrrädern da. „Ihr nehmt die vollen Säcke dann auf den Velos mit?“ Ich entdecke daran keine Transportmöglichkeiten für die schweren Säcke. „Ja, Doreen kann das!“ antwortet ihr Mann, Richard.“ Sie balanciert die Säcke vorne auf ihrem Körbchen. Wenn sie damit losfährt, darf sie einfach nicht mehr anhalten, sonst verliert sie die Balance“ lacht er. Danke, ihr beiden.

Richard und Doreen

Ich freue mich über diese Begegnung. Es gibt Hoffnung. Und ich nehme mir vor, auf zukünftigen Reisen bewusst mehr Zeit für das Strandmüllsammeln einzuplanen.

Es ist etwas von dem, was wir aktiv tun können.

https://www.wwf.de/themen-projekte/plastik/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell/plastikmuell-im-meer-die-wichtigsten-antworten

2 Antworten zu „Abschied von Irland.”.

  1. Hej Ihr beiden!
    Vor nunmehr bald 6 Jahren sind wir uns auf meiner eigenen Reise begegnet, als Ihr mich spontan eine Nacht auf Eurer Pferdekoppel habt übernachten lassen… :°)
    Und nun folge ich Euch seit geraumer Zeit virtuell und im Herzen auf Eurer Reise und erlebe zum ersten Mal das andere Ende des bloggens: nämlich das Lesende anstelle des Schreibenden. Sandra, herzlichen Dank für Deine Beiträge, die Bilder und Deine Gedanken!
    Ich wünsche Euch auch weiterhin alles Beste auf Eurem Weg, viele wunderbare Erlebnisse und prägende Momente, die Ihr gerne mit nach Hause nehmen und in Euer Leben integrieren werdet. Diese Reise wird Euch niemand mehr nehmen können. Und sie ist wichtig… für alle irgendwie Beteiligten.
    Ich bin in Gedanken bei Euch und hoffe auf ein Wiedersehen mit Euch!
    Herzgruss, Anja.

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    1. Liebe Anja
      Wie freue ich mich darüber von Dir zu lesen! So schön!
      Und ich erinnere mich noch sehr gut an den Moment, in dem Du mit Deinem übergrossen Rucksack bei uns eingetrudelt bist und um einen Übernachtungsplatz in Deinem Zelt angefragt hast. Ich fand es grossartig wie Du Dich auf Deinen – auf Anjas – Weg gemacht hast. Und habe es geliebt, Dich via Blog auf Teilstücken jenes Weges begleiten zu dürfen. Diese Art von Unterwegssein trägt enorm viel dazu bei, am Ende bei uns selbst anzukommen. Ich freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen mit Dir!!
      Umarmung

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