Dankbarkeit.

Vor 8 Wochen haben wir unsere Reise angetreten. Gestartet sind wir in der Schweiz, anschliessend durch Frankreich, England, Schottland, Irland gereist. Der Rückweg führte uns noch einmal kurz durch England und Frankreich. Und nun, der Zieleinlauf, über die Schweizer Grenze.

Noch nie bin ich auf diese Art und Weise über so einen Zeitraum gereist; im Reise-Van. Bisher war ich stets mit Rucksack und Zelt oder mit Rucksack und Einkehr in eine Gaststätte zur Übernachtung unterwegs.

Oder aber ich bin mit dem Van ausschliesslich an ein bestimmtes Ziel gefahren, so wie vor 2 Jahren in das kleine Blockhaus meiner Freundin Regula in Schweden. Und habe von dort aus dann die Umgebung erkundet.

Meist fällt mir die Rückkehr resp. die Einfindung in den Alltag, nach einer Reise schwer. Gewöhnlich ist sie begleitet von einer anhaltenden Wehmut die nur langsam nachlässt. Diesmal ist es anders. Diesmal freue ich mich über das Ankommen. Ich freue mich speziell auf 2 Dinge; einerseits darauf, wieder mehr Platz zu haben und andererseits auf mein gewohntes Quantum an Bewegung.

Wir verlassen Frankreich und fahren via Belfort nach St. Ursanne. Das hat einen Grund. Wir beide mögen diesen historischen kleinen Ort. Er ist uns seit Jahren bekannt. In St. Ursanne gibt es eine wunderschöne, alte Kirche. Diese möchten wir aufsuchen.

Obwohl wir seit Jahren aus der Kirche ausgetreten sind, mögen wir dieses Ritual in besonderen Momenten. Jetzt ist einer davon.

Wir möchten 2 Kerzen anzünden.

Zum Dank für all das Glück welches uns auf dieser Reise begegnet ist und für die vielen unfallfreien Kilometer auf den Strassen. Wir waren gut begleitet.

Rolf ist praktisch durchgehend gefahren auf dieser Reise. Er hat sich gut und schnell arrangiert mit dem Linksverkehr. Hinzu kam das Problem mit dem Motor welches ein spezielles Handling beim Schalten, resp. beim manuellen Wechsel der Automatik auf die Handschaltung erforderte, sobald der Turbo mehr Leistung bringen musste.. In England und Schottland waren die Strassen extrem schmal. Bei entgegen kommendem Verkehr mussten sehr oft kurze Strecken wieder rückwärts gefahren werden damit eine Ausweichstelle erreicht werden konnte und ein Passieren zweier Fahrzeuge möglich war.

Rolf ist durch seine Notfalltransporte für Pferde das Fahren und Rangieren mit Anhänger gewohnt. Ich wäre gerade bei engen Wendemanövern in Gassen und auf Parkplätzen aufgeschmissen gewesen.

Ich war ihm dankbar für seine ruhige, besonnene Art des Fahrens im Zusammenhang mit diesen Verhältnissen. Und mir war es lieber, hatte ich dafür die Rolle der Navigation und Platz- und Wegsuche eingenommen.

Reisebilanz.

In St.Ursanne gibt es dann tatsächlich einen Moment der Regenpause. Wir nutzen sie um entlang dem Doubs eine Runde mit den Hunden zu drehen; wieder auf Schweizer Boden. Ich fühle mich dankbar und glücklich!

Wir möchten Bilanz ziehen über unsere Reisewochen. Und wir möchten unser Ankommen zelebrieren. Hierzu kehren wir in ein Restaurant ein. Beim Anblick der Speisekarte bekomme ich Hunger; und ich freue mich extrem auf einen richtig feinen frischen Salatteller. Inklusive veganen Sushi-Rollen. Wie hab ich das vermisst! Dieses frisch zubereitete Essen.

In der Bilanz sind Rolf und ich uns einig; es war sowohl eine innere als auch eine äussere Reise. Sie hat uns beiden in vielerlei Hinsicht, gut getan. Das lag insbesondere an der ungeteilten Zeit die wir miteinander verbringen durften. Keine Termine, keine Fremdbestimmung. Die Planung jedes einzelnen Tages war offen und frei. Die Zeit stand uns als das was sie ist, zur Verfügung. Dabei vergassen wir oft Datum und Wochentag. Beides spielte nur begrenzt eine Rolle.

Mit im Gepäck haben wir unter anderem vielseitige Erlebnisse, wunderschöne Momente, ein paar Herausforderungen und einige wertvollen Begegnungen.

Reisen hat oft auch den Nebeneffekt einer unerwarteten Bewusstwerdung; einem Erkennen und einer neuen Belichtung von Begebenheiten, die aus der Selbstverständlichkeit wieder in das Feld der Wertschätzung rutschen.

Worin wir uns ebenfalls einig sind ist die Tatsache, dass wir im Vorfeld zu viel eingeplant hatten in diese 8 Wochen. Aus lauter Reisefieber und der Annahme, dass dieser Zeitraum durchaus ausreichend sein würde für diese Ziele, setzten wir uns diese distanzmässig zu weit.

Für die nächste Reise in dieser Form gilt: Weniger ist mehr. Lieber bewusst nur 1 Land als Ziel auswählen. Und lieber einige Tage stationär bleiben und von dort aus die Gegend entdecken. Zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem Kanu. Mir hat die Bewegung und die Möglichkeit, Orte und die Natur in dieser Art zu erkunden, extrem gefehlt. Das Abspulen der vielen Kilometer, während dessen die Landschaft an uns vorbeizog, fand ich teilweise ziemlich frustrierend.

Das bedeutet; lieber auf ein Land konzentrieren und dort nach Möglichkeiten suchen, dieses kennen zu lernen. Und; von der Destination her ein Land wählen, in welchem es in dieser Jahreszeit nicht so viel regnet. Ich bevorzuge zwar den Norden, ziehe die Kälte definitiv der Hitze vor. Das Unterwegssein auf den wenigen Quadratmetern des Vans (und Trailers) ist spannend wenn der Lebensraum nach draussen erweitert werden kann. Bei Dauerregen jedoch, wenn keine Kleider mehr trocknen können, wenn man einander auf den Füssen steht, wird es irgendwann zu eng und mühsam. Das werden wir auf einer nächsten Reise bedenken.

Familie.

Gegen Abend treffen wir im Haus meiner Mutter ein. Wie sehr freuen wir uns auf das Wiedersehen! Unsere beiden jüngeren Söhne, Nanuk und Malik, Zwillinge, hatten tags zuvor ihren 20.Geburtstag und sind heute zum Essen hier eingeladen. Auch unser zweitältester Sohn Nino, Rolfs Mama und mein Lieblingsbruder sind anwesend. Wir wussten im Vorfeld nicht genau, an welchem Datum wir zurück sein werden. Es ist grossartig, dass es vom Timing so gut gepasst hat und wir in dieser wunderschönen Art und Weise empfangen werden. Wir geniessen beide das schöne wunderbare Gefühl, gemeinsam mit unserer Familie vereint an einem Tisch zu sitzen und ankommen zu dürfen.

Wieder zuhause.

„Was meinst Du? Wie siehts wohl aus daheim? Wie haben die 4 Jungs das während unserer Abwesenheit hinbekommen?“ fragen wir uns gegenseitig. Und wir staunen; uns erwartet ein tiptop sauberes, mit Extraliebe aufgeräumtes Haus. Jungs, wir sind stolz auf euch!! Danke!! So ankommen zu dürfen ist einfach nur schön.

Unsere Wohnräume kommen mir, nach den Wochen zu fünft auf mehrheitlich knapp 2 Quadratmetern, überdimensional vor. Was für ein Luxus!

Die Hunde freuen sich übermütig über die Ankunft in ihrem vertrauten Zuhause. Noch schnell ihre hungrigen Bäuchlein füllen nach diesem letzten, langen Reisetag und dann gilt auch für sie ab ins Körbchen. Jamie liegt bereits langgestreckt an seinem Lieblingsplatz; auf dem roten Sofa in der Küche. Nichts könnte ihn in diesem Moment noch dazu bringen, seinen Thron zu verlassen.

Und ich, ich freue mich darauf, baldmöglichst meinem Bewegungsdrang wieder nachzukommen. Und endlich wieder loszusprinten. Mein Energielevel ist extrahoch. In diesem Sinne….

Eine Antwort zu „Dankbarkeit.”.

  1. Ihr beiden, so schön, Euch gesund und bereichert zurückzubekommen. Bin einfach nur dankbar.
    Ich weiss es von mir selbst. Es ist mir wiederkehrend wichtig auf- und auszubrechen, mich neu zu erfahren, Respekt vor der Natur, vor Menschen, deren Kulturen und Denken zu bestätigen. Und ebenso bin ich glücklich, heimkehren zu dürfen. So verstehe ich:

    „Oh wie schön ist Panama“!!!!
    Umarmung

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